Lobbyisten und Transparenz
Es wird immer wieder behauptet, daß ein Lobbyist allein schon aus systemischen Gründen kein Interessen an Transparenz haben kann. Schließlich würde diese ja die eigenen Beeinflußungsversuche und -maßnahmen offensichtlich machen und damit einen Angriffspunkt bilden. Tatsächlich ist diese Behauptung jedoch zu kurz gedacht. Sie ist nur für solche Lobbyarbeit stichhaltig, die zu einem einseitigen und unfairen Vorteil des Kunden des Lobbyisten und gleichzeitig zu einem Schaden der Gemeinschaft führt. Wenn jedoch ein Lobbyist ein berechtigtes, moralisch vertretbares und plausibles Interesse vertritt, muß er die Transparenz geradezu suchen, um weitere Unterstützer seines Anliegens zu finden.
In der Alltagsarbeit von Lobbyisten spielt Transparenz stets eine große Rolle. Vor allem die Kunden erwarten darüber aufgeklärt zu werden, welche Mandate von dem engagierten Lobbyisten betreut werden. Es könnten schließlich Interessenskonflikte zwischen den Kunden des Lobbyisten bestehen. Außerdem wird ein Lobbyist auch in den seltensten Fällen vermeiden können, im Gespräch mit Politikern seine Kunden verschweigen zu können. Der Politiker möchte natürlich wissen, in welchem Auftrag der Lobbyist sein Anliegen vorträgt. Außerdem würde eine falsche oder schwammige Aussage in diesem Bereich schnell entlarvt werden. Und sobald ein Lobbyist einmal seiner Ruf ruiniert hat, müßte er sich nach einem neuen Beruf umsehen.
Um so schwieriger ist zu verstehen, weshalb Vorschriften für mehr Transparenz bei der Lobbyarbeit anscheinend auf wenig Interesse bei Politikern stoßen. Müßte nicht eigentlich die Lobbyistenfront hierfür eintreten? Aus verschiedenen diesbezüglichen Aussagen von Politkern ist die Befürchtung herauszuhören, daß mit Transparenzvorschriften eine Art legale Formalisierung der Lobbyarbeit stattfinden würde. Die Folge wäre eine Aufwertung des Lobbyistenstandes, welche die Politik zu verhindern sucht.
