Lobbyarbeit für den Mittelstand
Nicht nur Großunternehmen, Verbände und NGOs profitieren von Lobbyarbeit, auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sollten die Möglichkeiten der politischen Kommunikation nutzen. Gerade bei einem immer dichter werden Regulierungsnetz gibt es kaum noch ein Unternehmen, daß auf eine Vertretung seiner Interessen verzichten kann. Tatsächlich betreiben jedoch kleinere Unternehmen fast nie Lobbying. Auf Nachfrage geben die meisten Inhaber an, daß sie sich weder eine eigene Public-Affairs-Abteilung noch eine damit beauftragte Agentur leisten können. Dabei wird vergessen, daß bereits mit wenig zeitlichem und finanziellen Aufwand effektives Lobbying betrieben werden kann.
Zunächst benötigt man einen Mitarbeiter der regelmäßige vor den Plenardebatten überprüft, ob Themen im Parlament behandelt werden, die für das Unternehmen von Belang sind. Dies erfordert nur sehr wenig Zeit und muß auch nicht täglich gemacht werden. Wenn man dies mit einem einfachen Medien-Monitoring kombiniert ist man bereits über eine Vielzahl der politischen Themen informiert, die das Unternehmen in nächster Zeit betreffen könnten. Hat man ein solches Thema ausgemacht, wendet man sich an den Verband, in dem man organisiert ist. Dies wäre also ein Branchen- oder Berufsverband. Über den Verband kann man sehr schnell effektive Lobbyarbeit in die Wege leiten, wenn ersichtlich ist, daß die gesamte Branche davon profitieren würde. Womöglich können sich die betroffenen Firmen auch kurzzeitig zu einer Interessengemeinschaft („advocacy group“) zusammenschließen. Eine derartige Interessengemeinschaft kann auf Politiker bereits erheblichen Einfluß nehmen, weil sie bereits eine größere Sparte der Branche repräsentiert. Sobald die Arbeit der Gemeinschaft abgeschlossen ist, kann sie sich wieder auflösen. Für alle Beteiligten war sie dann sicherlich eine kostengünstige und effektive Methode der politischen Kommunikation.
